Interview mit Chris Tarantino

Chris Tarantino ist ein High End Retoucher aus den Staaten welcher zu den besten dieser Welt gehört.

http://www.christarantino.com

Zu seinen Kunden zählt unter anderem die weltberühmte Fotografin Annie Leibovitz , das Magazin Vogue und Prominente wie Jessica Alba und Judy Foster.
In einem Interview erzählt er uns wie es ist ein bild von Jessica Alba zu bearbeiten und worauf man bei der Retusche achten sollte.

Hi Chris, vielen Dank für dieses Interview.
Du bist ein High-End Retuscheur, erzähl uns doch etwas über dich, wann hast du mit der Retusche angefangen und wie müssen wir uns einen Tag im Leben eines Retuscheurs vorstellen?
Was machst du den ganzen Tag – retuschierst du die ganze Zeit?

Mit der digitalen Retusche habe ich in Photoshop 2 anfangen, ich glaube es war 1992, davor war ich jedoch schon 8 Jahre Retuscheur in der Druckvorstufe. Das war eine menge „Low-End“ Arbeit.
Das war aber auch ein Vorteil, denn so musste ich mir Photoshop selber beibringen und konnte herausfinden, was es kann.
Außerdem war es das erste Mal, dass ich einen Computer genutzt habe, nicht nur für Photoshop, sondern überhaupt.
Jetzt, also 17 Jahre nachdem ich mit Photoshop angefangen habe, fühlt es sich an wie ein dritter Arm.
Seit 1992 habe ich das Programm täglich für mehr als 12 Stunden geöffnet – was eine lange Zeit für ein einziges Programm ist.
 
Ich retuschiere nicht jeden Tag, gut, momentan schon.
Für einige Jahre arbeite ich für ein paar Fotografen in NYC und richtete ihre Kamera und Lichter ein, damit das ganze Set im richtig funktionierte.
Dann setzte ich mich vor den Computer und gab den Fotografen bescheid, ob die Aufnahmen gut oder schlecht waren.
Die Fotografen wollten diese Wertung aus der Sicht eines Retuscheurs hören und konnten ihre Arbeit machen, die Kreativen bei diesen Shootings haben sich darüber gefreut, weil sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren konnten und nicht mehr mutmaßen mussten, ob Fehler in der Post-Production korrigiert werden können.
Und wenn ich sage, sie mochten es, meine ich damit, dass sie sich gefreut haben einen Retuscheur bei sich zu haben, dabei ging es nicht speziell um mich. 

Immer wenn ich Zeit habe, fotografiere ich viel. Ich habe viel von den Fotografen gelernt, mit denen ich zusammengearbeitet habe und shoote viel im Stil von Nicolai Grosell oder Michael Thompson, muss jedoch noch viel lernen.
Ich muss versuchen weniger darüber nachzudenken, vielmehr muss ich es einfach machen. 

Du hast zwei Bücher geschrieben und vor kurzem eine DVD herausgegeben.
Erzähl uns doch bitte etwas mehr über die DVD.

Stimmt, ich habe ein paar Bücher geschrieben, es war schwer sie zu schreiben und sehr zeitintensiv.
Bei meinem zweiten Buch musste ich einen Co-Autor engagieren, da der Lesekreis geändert wurde, nachdem ich fertig war und so musste alles neu geschrieben werden.
 
Letzen Januar kam ich auf die Idee mit der DVD.
Vor kurzem hielt ich Vorträge bei der Photoexpo in NYC und auf der PMA in Las Vegas über Beauty-Retusche.
Ich liebe es anderen Leuten Photoshop-Techniken beizubringen, obwohl mir von vielen Leute gesagt wurde, dass ich meine Tipps und Tricks für mich behalten soll, wovon ich jedoch kein Freund bin.
Auf die DVD brachten mich viele eMails, in denen ich gefragt wurde, ob es Bücher oder DVDs gibt, die den Usern mehr über Beauty Retusche oder Grundlagen zeigen können.
Meine Bücher waren zu dem Zeitpunkt schon etwas veraltet und die Zeit ein neues zu schreiben hatte ich nicht, somit war eine DVD die sinnvollste Lösung.
Die erste DVD wird sich um die reine Beauty-Retusche drehen, dabei werde ich nicht auf Glamour oder andere Stile eingehen, vielmehr wird es eine DVD vom RAW bis hin zum Finish.
Ich habe immer gezögert eine DVD zu machen, weil ich denke, dass ich nichts anderes mache, als andere.
Meine Techniken sind ziemlich einfach und zeitintensiv, aber ich bekomme oft gesagt, dass das keine Rolle spielt.
Die Leute wollen einfach sehen, wie eine Retusche von Anfang bis Ende durchgeführt wird, welche Schritte in welcher Reihenfolge ausgeführt werden, also warum diesen Schritt jetzt und nicht später.

 Kannst du uns die Geschichte mit Katrin Eismann erzählen? Du hast ihr eine email geschrieben richtig?

Wow, das ist lange her, ich glaube in den 90ern, vor ihrem ersten Retusche- und Restaurationsbuch.
Ich habe damals ein Tutorial im „PEI Imaging“ gelesen, ein großartiges Magazin für 3D und Photoshop, was leider nicht mehr publiziert wird.
Katrin hat damals einen Artikel über Farbkorrektur geschrieben, wenn ich mich recht erinnere.  
Meiner Meinung nach gab es da einen besseren Weg für die Farbkorrektur und so entschied ich mich, ihr eine email zu schreiben.
Ich hätte nie gedacht eine Antwort auf diese mail zu bekommen, doch eine Woche später bekam ich sie doch und so schrieb ich kurz danach für das Magazin und wirkte so mit an ihrem Buch für Retusche und Restauration, welches momentan die 3. Auflage hat.
Wir haben uns ein paar Mal getroffen und gefachsimpelt, danach brachte sie einige meiner Techniken mit in ihren Unterricht ein.
Sie ist eine großartige Person, sehr nett.
Ich habe ihr zu verdanken, dass sie mich in diese Szene gebracht hat.

Wie fühlst du dich, wenn du Stars wie Jessica Alba retuschierst?  Bist du verheiratet? :-)

Stars zu retuschieren macht riesen Spaß.
Jessica hat die beste Haut aller Stars, an denen ich gearbeitet habe.
Eine Zeit lang hatte ich viele Top-Models neben mir, während ich ihre Bilder retuschiert habe – mehr brauche ich glaube nicht zu sagen, das war fantastisch.
Ich bin seit 16 Jahren verheiratet und habe 3 Söhne.

Was ist die wichtigste Technik bei der Hautretusche?

Das ist die häufigste Frage, die ich gestellt bekomme, ich habe über die Jahre viele Techniken gesehen, die ich nie nutzen würde, bei denen dennoch tolle Ergebnisse herausgekommen sind und ich habe viele Techniken gesehen, die ich auch nutze, mit schrecklichen Ergebnissen.
Eine Zauberformel gibt es da nicht, wichtig ist, dass man weiß wo man hin will mit der Retusche.

Auf welche Jobs bist du besonders stolz und welche Kunden machen dich stolz?

Das weiß ich gar nicht, darüber habe ich nie nachgedacht.
Ich mache einfach die Arbeit und denke dabei nur an das Bild, versteht mich nicht falsch, ich bin schon begeistert über einige Kunden für die ich arbeiten durfte.
Aber dadurch, dass ich nicht in der Welt der Fotografie „aufgewachsen“ bin, sagen mir nicht alle Namen etwas.
Es sind alle Jobs, die gemacht werden und dabei ist es für mich wichtig, herauszufinden, was die Wünsche des Kunden sind, ich glaube das hat mir auch bei meiner Kariere geholfen.
Ich brauche mir keinen Kopf darüber machen, dass ich jemandem nach dem Mund rede oder nur „ja“ sage, weil es DER Kunde ist, sondern ich kann sagen, was mir durch den Kopf geht.
Ich bin mit vielen berühmten Menschen aufgewachsen und für mich sind sie Überflieger wie ich, nichts weiter.
 

 

Was ist das Wichtigste, um sich bei der Retusche zu verbessern?

Übung und Photoshop zu erforschen.
Zeitschriften anschauen und versuchen über die Looks, die man sieht nachzudenken, herausfinden, was realistisch ist und was nicht.
Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist zu wissen, wann man aufhören muss.
Offen für Kritik und neue Techniken zu sein ist auch sehr wichtig, grade Außenstehende sind dabei wichtig und können helfen.

Wie lange arbeitest du an einem Face-Shot von einem Star? Minuten? Stunden?

Stunden, manchmal auch Tage. Normalerweise brauch ich 8 bis 10 Stunden für ein Gesicht.
Einen ganzen Körper zu bearbeiten dauert eine Tage in der Weise, wie ich Haut bearbeite.

 

Letzte Frage. Kann man mit Retusche reich werden?

Ja und nein. Es gibt eine Menge Arbeit auf dem Markt, man muss sich im business auskennen und auch die Preise kennen.
Es gab in den letzten Jahren einen Trend, der sehr schlecht ist – viele Leute unterbieten sich gegenseitig und Retuschearbeiten werden von Leuten durchgeführt, die noch am Lernen sind.
Die Arbeit ist somit nicht so gut, wie sie sein könnte und Bilder, deren Bearbeitung normalerweise 1500 Dollar koste, werden dann für 300 Dollar bearbeitet.
Wenn ein erfahrender Retuscheur für so einen Preis arbeitet und das Ergebnis gut ist, dann wird natürlich angenommen, dass man für wenig Geld hohe Qualität bekommt.
Während der erfahrene Retuscheur drei Mal so viel Zeit in ein Bild steckt wie der unerfahrene und viel Geld verloren hat, möchte dieser natürlich nicht noch mehr solcher Aufträge haben.
Wenn die Bildbearbeitung weiterhin auf Erfolgskurz bleiben soll, müssen faire und gleichbleibende Preise bezahlt werden.

Vielen Dank Chris für die Zeit die du dir genommen hast. 

Dieses Interview wurde von Calvin Hollywood durchgeführt und von Tino Wehe übersetzt.

Wertung: 5 stars



3 Kommentare zu “Interview mit Chris Tarantino”

  1. photoconcept sagt:

    Interessantes Interview. Danke darür!
    Wenn man seine Ergebnisse auf der Homepage sieht, kann man fast schon nachvollziehen, wie lange er daran sitzt.
    P.S.: Die planlosen Zeilenumbrüche im Interview erschweren das Lesen. ;-)

  2. Danke dir fürs Feedback. Mein Fehler mit den Zeilenumbrüchen.
    Wird noch in Ordnung gebracht

    lg Calvin

  3. Sebastian G. sagt:

    Calvin, weißt du auch, ob und wie die DVD in Deutschland vertrieben wird? Aus seiner Website und seinem Blog bin ich nicht ganz schlüssig geworden.

Einen Kommentar hinterlassen