Interview mit Uli Staiger

Uli Staiger ist einer der angesagtesten Fotografen/Photoshopper Deutschlands.
Mit seinen kreativen Bildmontagen hat er schon viele Wettbewerbe gewonnen und Zeitschriften gefüllt. Aus seiner Arbeit macht er kein Geheimniss.

Er schreibt regelmäßig für diverse Zeitscrhiften Tutorials zu der Entstehung seiner Bilder.
Zudem hat er noch einige Bücher und Lern DvDs auf dem Markt zum Thema Fotografie und Bildbearbeitung. Ich freue mich sehr, ihn für ein Interview mit Photoshopnonstop bekommen zu haben.

Hallo Uli,
vielen Dank daß du dir Zeit genommen hast, folgende Fragen zu beantworten
.
Erzähl doch mal wie so ein typischer "Uli Staiger Tag" bei dir aussieht.
Wann stehst du morgens auf und wann gehst du schlafen?
Was machst du dazwischen? (Bitte keinen Sonntag ;) )

Hm. Eigentlich habe ich wenige so richtig typische Tage, weil meistens irgend etwas dazwischen kommt, was den Tag dann doch eher untypisch macht. Aber ich probier´s trotzdem mal: Aufstehen: Zwischen 6 und 7. Na ja halb 8 kann´s schon mal werden. Duschen, Frühstück, ab ins Studio, falls ich nicht ohnehin dort übernachtet haben sollte. Der Tag beginnt mit den emails, die man doch eigentlich schon lange beantwortet haben wollte. Der weitere Tagesablauf wird hauptsächlich durch das jeweilige Projekt bestimmt, an dem ich gerade arbeite. Am Buchmanuskript weitertüfteln, ein Konzept für einen Kunden zusammenstellen, workshop, Fachartikel oder Vortrag vorbereiten. Oder heute: Calvins Interviewfragen beantworten ;-) .

Mittagspause fällt meistens aus, da fehlt mir einfach die Disziplin. Ab und an gehe ich nachmittags für eine Stunde laufen, um die Birne freizublasen. Gegen 19.30 langt´s dann meistens, jetzt wär´ein Gläschen Rotwein recht…

Man kennt deine Bilder aus Zeitschriften, Bücher und Videos. Doch viele Bilder von dir werden nicht in diesem Ausmaß publiziert. Deine Auftragsarbeiten.
Sind das überwiegend Montagen oder kommen die Leute auch zu dir wenn sie Passbilder wollen?

Na klar werden die publiziert! Nur sind sie oft nicht für den deutschen Markt bestimmt, werden also hierzulande gar nicht veröffentlicht. Falls doch, werden sie einfach nicht mit mir in Verbindung gebracht, schließlich geht es dabei auch nicht um mich, sondern um das Produkt/die Veranstaltung eines Kunden. Üblicherweise entstehen solche Arbeiten in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur. Passbilder, Hochzeitsaufnahmen und Portraits sind wichtige Felder in der Fotografie, sind aber nicht meine Baustelle. Wer zu mir kommt, will normalerweise eine recht
aufwendige Visualisierung eines Konzeptes, meistens also: Eine Montage.

Du bist ausgebildeter Fotograf. Wann hat dich die Leidenschaft für Montagen gepackt? Gab es ein Schlüsselereigniss? Hattest du "Vorbilder" ?

Montgen sind der kürzeste Weg zu dem, was ich zeigen möchte: Spektakuläre, mit herkömmlichen
Setbauten kaum oder nur durch großen Aufwand zu erzielende Szenen. Beeinflusst haben mich dabei vor allem mein Freund und Lehrer Helmut Hirler mit seinen großartigen Landschaftsaufnahmen und der amerikanische Fotograf Neil Molinaro, für den ich ein knappes Jahr als Assistent gearbeitet habe. Meine Montagen sind sozusagen eine Synthese aus den Fachrichtungen der beiden Fotografen, nämlich Landschaft und Stillife. Logisch, dass man Studio und location am einfachsten mit Photoshop zueinander bringt…

Was denkst du über 3D und CGI? Befasst du dich schon damit?

CGI ist Teil meiner Arbeit. Ich habe vor etwa zwei Jahren damit begonnen, nachdem ich festgestellt habe, dass manche Dinge einfach "unfotografierbar" sind, zumindest in der Perspektive, die ich gerne hätte. Ich arbeite mit photoshop CS4 extended und cinema4D, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Trotzdem gehört klassischer Modellbau auch zu meinem Repertoire, da sich manche Modelle oder Props einfacher und überzeugender darstellen lassen als ein texturiertes Polygonmodell.

Was ratest du einem Photoshop-Anfänger, welcher sich durch deine Bilder inspiriert fühlt, der auch mal so weit kommen möchte wie du?

Stelle dar, was dich fasziniert und komm mir bloß nicht mit der Ausrede, Du hättest verschlafen!

Nun hast du schon einige Bücher geschrieben. Wieviel Mühe steckt in so einem Buch? Hast du da einen Zeitraum damit man sich vorstellen kann wie lange man an einem Buch schreibt?

Mal vorausgesetzt, die Arbeiten, über die ich schreibe, sind schon fertig produziert, es geht also in erster Linie um die Dokumentation und die Möglichkeit des Nachvollziehens: Dann arbeite ich an einem Buch etwa drei Monate. Zu Beginn spielerisch, ich sammle Ideen, schreibe ein Vorwort, zunächst mal ganz für mich allein, damit ich weiß, was in dem Buch vorkommen soll. Gegen Ende, wenn es Richtung Abgabetermin geht, schreibe ich dann meistens ziemlich intensiv, sonst bekomme ich Ärger mit meinem (sehr netten!) Verlag.

Was denkst du hemmt die eigene Entwicklung mit Photoshop? Gibt es "Don´ts" die man auf alle Fälle beachten sollte?

Die gibt es. Man sollte der eigenen Arbeit stets sehr kritisch gegenüberstehen und sich nicht mit einem "fast" zufrieden geben. Außerdem sollte man meiner Meinung nach Photoshop als Werkzeug betrachten, das es zu beherrschen lernen gilt, das aber selbst nicht Gegenstand der Arbeit sein sollte. Mit anderen Worten: Photoshop ist das Werkzeug, die Idee umzusetzen. Nicht mehr, nicht weniger.
Die Idee existiert unabhängig davon.

Was denkst du über die Tatsache daß viele Künstler und Fotografen ein Geheimniss aus ihrer Technik machen und anderen nicht helfen wollen?

Ich kenne nur sehr wenige Leute, die diese Art von Protektionismus betreiben. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es angesichts der großen Zahl von Büchern, tutorials oder DVDs völlig wurscht ist, ob der eine oder andere seine Geheimnisse lieber nur mit sich selbst teilt.

Warum bist du noch nicht im Photoshopnonstop-Forum angemeldet? :-)

Im was bitte?…scherz…Bitte gib mir Zeit, die nötige Größe für dieses phantastische Forum zu entwickeln!!

Letzte Frage. Wir veranstalten über das Forum regelmäßig Vorträge über die Bildbearbeitung mit Photoshop. Wärst du bereit auch mal einen Vortrag zu halten und vielen Mitgliedern ein paar deiner Arbeiten bzw. Techniken vermitteln?

Wäre ich. Klar doch! Was muss ich tun?

Vielen Dank Uli Staiger, wir werden uns bezüglich des Vortrags bei dir melden.

 Dieses Interview wurde von Calvin Hollywood geführt

Wertung: 5 stars



3 Kommentare zu “Interview mit Uli Staiger”

  1. ehcsimred sagt:

    Super!
    Ich freu mich schon auf den Vortrag!

  2. Dominic sagt:

    WOW klasse Interview.
    Am besten finde ich ja die Aussage “…..komm mir ja nicht mit, du hättest verschlafen”. :-) )
    Wird Zeit das sich der Uli im Forum anmeldet. Auf den Vortrag bin ich natürlich auch schon ganz hieß.

  3. k.j.armbruster sagt:

    habe vor ca. einem halben jahr das erstemal von uli staiger gehört
    und seine beeindruckenden arbeiten bestaunt, aber selbst so etwas
    versuchen? nee, das pack' ich nicht! mir genügt es, dass einer wie
    u.s. das "drauf hat" und vielen anderen menschen damit freude bereitet.
    wünsche uli noch viele creative jahre!

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