Photoshopversionen: Standard vs. Extended

Hier hatte ich ja schon mal einen kleinen Rückblick und meine Einschätzung der älteren Photoshop-Versionen gegeben. Heute soll es mal um den Vergleich zwischen Extended und Standardversion gehen.

Diese zwei getrennten Versionen unterscheidet Adobe seit der Version CS3 und beabsichtigt damit, die Zielgruppen genauer ansprechen zu können und Photoshop für die Leute, die nicht alle Features brauchen, ein wenig (!;)) schlanker zu halten.

Wer sich die Demo-Version bei Adobe.de herunterlädt, erhält damit die Extended-Version zum Testen. Und auch wer die ausschließlich zu nicht-kommerziellen Zwecken einsetzbare, preisgünstige Version für Studenten kauft, erhält dafür ebenfalls die ansonsten unbeschränkte Extended-Version.

Aber braucht man die auch wirklich?

Hier mal mein aktueller Eindruck und meine persönliche Meinung.

Extended Features

Wer wissen will, was die Normalversion von der Extended unterscheidet, findet dazu auf der Adobe-Homepage genug Informationen. Ich beschreib es mal so und verlinke die entsprechenden Punkte der Online-Hilfe:

In der Extended-Version gibt es die folgenden, zusätzlichen Menüpunkte:

3D
- Analyse
- Ebene > Smart Objetkte > Stapelmodus
- Ebene > Videoebene (mit all ihren Möglichkeiten)
- Datei > Scripten > Statistik und "Mehrere Dicom-Dateien laden"

Die Extended-Version bietet MATLAB-Unterstützung.

Folgende Paletten fehlen in der normalen Version:
- 3D
Messprotokoll
- keine Zeitlinienansicht (Keyframes) in der Animationspalette (Videobearbeitung)

Folgende Werkzeuge fehlen:
Zählwerkzeug
- Stempeln in der Zeit
- HDR-Farbwähler, Malen und Retuschieren

Aus dieser Aufzählung wird schon deutlich, an wen sich die Extended-Version in erster Linie richtet: 3D-Künstler, Videobearbeiter, Wissenschaftler/Mediziner.

Extended für Wissenschaftler

Ich bin ja nun zufällig Wissenschaftler (Humanbio) und muss wirklich sagen, dass mir einige dieser Features bei der Auswertung der Laborarbeit sehr fehlen, da wir an der Uni nur die normale CS3 und CS2-Version installiert haben. Gerade das Zählwerkzeug und das Messprotokoll machen für mich die Auswertung bestimmter Assays (Experimente) wirklich einfach und bequem. Da fahr ich gern mal nach Hause an meinen Mac mit CS4 und mach die Auswertung lieber dort. Für Forschungsexperimente an Menschen und Tieren ist die Dicom-Funktionalität für die Auswertung von beispielsweise MRT-Bildern (diese quasi "Röntgen"-Bilder kennt ihr sicher mindestens aus irgendeiner dieser ollen Medizinerserien im TV ;) ) sicher unabdingbar. Zusammen mit den neuen 3D-Möglichkeiten kann man viele Einzelschnitte auch zu einem 3D-Modell verrechnen und dort direkt bestimmte Größen messen (z.B. Organ- oder Tumorgrößen).

In anderen Wissenschaftszweigen sind die MATLAB-Unterstützung und die Stapelmodi sicher auch von großer Bedeutung. Da hab ich persönlich jetzt aber noch nicht die große Erfahrung. Von den Analyse- und Messmöglichkeiten können aber auch Architekten, Raumplaner und so profitieren, da man einfach in einem Bild die Größen festlegen kann und so direkt im Bild die realen Größen messen, anzeigen und speichern kann. Das kann bei mancher Planung sicher hilfreich sein.

Extended für Tricks, 3D und Video

In CS4 wurde die 3D-Funktionalität ja um einiges aufgebohrt. Das Ganze wird langsam! Gerade wer in Photoshop mit 2D-Fotos ein bisschen in 3D tricksen will, kann da schon sehr viel Spaß haben, wenn er kein gesondertes 3D-Programm hat. Man kann zwar keine komplexen Modelle erstellen, aber so ein Würfel mit eigenen Fotos auf den Seiten und spannender Beleuchtung, ein paar dreidimensional verschachtelte Ebenen, eine kleine Berglandschaft (ich zeige ein Beispiel in dem Videotraining "Photoshop CS4 für Fortgeschrittene"), Gänge, 3D-Schrift und sowas … sind damit einfach und schnell möglich. Das wäre also auch für kreative Fotografen interessant, die mal gern etwas herumspielen. ;)

Der eigentliche Schwerpunkt ist natürlich, dass Photoshop einem helfen soll 3D-Objekte mit Fotos zu integrieren. Wie das gehen kann, zeigt in Kürze Uli Staiger in neuen, interessanten Produktionen anhand eindrucksvoller Bilder (Video2Brain und Buch) mit Cinema4D-Modellen. Das heißt etwas: Und zwar, dass es prinzipiell funktioniert!

Aber wenn ihr mich fragt: Aktuell ist Photoshop noch nicht da, wo es mal hingehen soll. Das heißt, wer ein 3D-Programm besitzt, tut meist gut daran, komplett dort zu rendern und das fertige Bild in Photoshop zu montieren bzw. in einfacheren Compositing-Situationen die Montage im 3D-Programm zu machen. Die Möglichkeiten, die Qualität und die Performance in Photoshop selbst ist da derzeit möglicherweise ausreichend – aber für mich auch auf leistungsfähigem MacPro alles andere als zufriedenstellend. Beispielsweise wäre es illusorisch, das Beispiel rechts, an dem ich gerade arbeite, an Photoshop zu übergeben. Selbst in Gitteransicht, kann man da ein Drehen und Skalieren vergessen, wo es im 3D-Programm inklusive Live-Vorschau kein Problem ist. Schade! Aber cool fänd ich es, wenn es ginge. Also, bleibt dran, Adobe-Jungs und -Mädels! ;)  

Wer gern mal in Videos retuschiert kann dies mit der Extended auch in Photoshop machen. Da gibt es in der Extended eine Videoebene und eine Zeitlinien-Ansicht (Keyframe), man kann über die Zeit hinweg stempeln und so. Ich hab mich damit außer ein wenig Herumspielen nicht groß beschäftigt. Rotoscoping und handgezeichnete Animationen sind damit auch leicht möglich. Wer Videos bearbeitet wird besser als ich einschätzen können, ob er diese Features braucht oder ob ein Spezialprogramm da besser geeignet ist. Ich als Standbild-Doofie ;) fand die recht praktisch und lässig.

Ja … und ist die Extended denn auch für Fotografen sinnvoll?

Und da kann ich nur meine Lieblingsantwort drauf geben: Kommt drauf an! :D

Es kommt drauf an, was ihr fotografiert. Je mehr ihr Fotos macht, die Herausforderungen an eure Kamera stellen, umso interessanter dürfte die Extended-Version für euch sein. Die Herausforderungen sind diese: Rauschen und Dynamikbereich.

Wenn ihr viel in der Nacht fotografiert, viel stillhaltende Motive (z.B. Architektur) und dabei Probleme mit dem Rauschen oder dem Helligkeitsumfang habt – dann macht es euch die Extendedversion mit den Bildstapel-Modi "Arithmetisches Mittel" und "Median" so leicht wie noch nie zuvor, durch Mehrfachfotos das Rauschen – OHNE Detailverlust! - loszuwerden (freies Video von mir nach Anmeldung) oder Belichtungsreihen einfachst zu kombinieren und zusammen mit Smart Filtern wie Tiefen/Lichter zu optimieren. Da hat das alte DRI-Verfahren fast schon ausgedient!

Und wenn ihr HDRIs erstellt – womit ich HDRIs im eigentlichen Sinne meine und nicht einfach irgendwas quietschbunt-tonegemapptes mit grauen Himmeln und übertriebener lokaler Konrasterhöhung, dann könnt ihr mit Photoshop CS4 Extended bereits direkt im HDR-Bild und vor dem Tonemapping malen, retuschieren und filtern –  mehr als es noch in Photoshop CS in "nur" 16 bit möglich war. Dafür gibt es auch einen extra HDR-Farbwähler, damit man genau die richtige Helligkeit eines Farbtons festlegen kann. DAS ist echtes Malen mit Licht! Da Weiß heller sein kann als der Tonwert 255! Interessant ist das wiederum vor allem für 3D-Künstler, die perfekte HDR-Maps für Ausleuchtung und Spiegelungen benötigen. Den meisten Fotografen reicht da sicher das fertig getonemappte Ergebnis … 

Aber das ist eine andere Geschichte. ;)  

Ich hoffe, der heutige Blogeintrag ist für euch hilfreich. Wenn CS5 draußen ist, gibt es ein Update. Mal schauen, was sich dort zwischen Standard und Extended getan hat.

LG Olaf (10dency)

olaf-giermann.de

Wertung: 5 stars



7 Kommentare zu “Photoshopversionen: Standard vs. Extended”

  1. Calvin Hollywood Calvin sagt:

    Sehr ausführlich.
    Klasse Post. Vielen Dank

    War ein super Wochenende und freu mich dich wieder in München zu treffen (incl. Abendprogramm*g*)

    lg calvin

  2. Silvio sagt:

    Jup , dank dir für die Erläuterungen.
    Hilft mir momentan wirklich weiter, da ich von CS3 auf 4 umsteige (endlich).
    THXS

  3. Wow, das Video zum Thema Bildrauschen ist wirklich sehr informativ… Klasse erklärt.

    lg aus dem Allgäu
    Tom

  4. Daniel sagt:

    Mich würde das Thema “Photoshop für Wissenschaftler” interessieren.

    Kannst du da mal exemplarisch einige Arbeitsschritte vorstellen. Man findet leider wenig darüber im Netz. Wann hat man schonmal die Möglichkeit in sowas Einblick zu erhalten?

    Bei mir reichte das Geld leider nur für die Standard (CS4 Suite). Die Extended-Funktionen brauche ich zum größtenteil aber auch nicht.

    Gruß
    Daniel

  5. 10dency 10dency sagt:

    Da müsste ich mal ein Video machen. In Textform würde das wohl zu lange dauern. Auf dem Video2Brain-Training “Photoshop CS4 – Die Neuerungen” zeigt Gerhard Koren aber auch einige Dinge. Vielleicht reicht dir das ja schon?
    LG Olaf

  6. Edi sagt:

    Wie kommt man günstig an Photoshop CS???

  7. connexin sagt:

    Gut das mal die für Fotographen wichtigen PS Extended Features dargestellt werden.
    Danke!

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