Schämst du dich vorm fremden Mann?

Hi Leute,

kennt ihr das auch:

Ihr nehmt eure Kamera, zieht los und vergesst die Menschen um euch herum: Überall nur Motive, interessante Texturen, Rost, Steine … Oh, die Mauer ist stark! … Tiere … Bo ey, Bagger, muss ich von unten fotografieren … ihr schmeißt euch hin und wälzt euch auf der Erde, ihr rennt Insekten mit Kameradauerfeuer hinterher, um die im Flug zu fotografieren … Und plötzlich seit ihr wieder in der echten Welt, schaut euch um und da stehen Leute, die sich an den Kopf fassen oder den Kopf schütteln oder mit ihren Gesichtern Bedauern und Unverständnis für euch aufbringen? ;-)

Ich kenn das nur zu gut. Als Fotomontage-Freak sieht man die Welt manchmal eh mit anderen Augen. Da sieht man nicht nur komplette Motive, sondern überall Versatzstücke für Compositings. Da muss es nicht immer ein schönes Motiv oder das perfekte Gesamtfotowerk sein – es reicht, wenn das benötigte Objekt in maximaler Größe, bei optimaler Belichtung und in bestmöglicher Perspektive drauf ist. Für jemand, der anders denkt, sieht es also aus als ob man Quatsch fotografiert. Ganz anders, wenn man mit Model, Stativ, mehreren Blitzen oder gar Porties oder auch noch gleich (ein paar) Assistenten dabei hat! Dann wird man gleich für einen Profi gehalten. Dafür reicht aber oft auch schon ein etwas größeres Objektiv … :D

Nehmen wir mal dieses Beispiel, wo ich an einer Pfütze gehockt habe und kleine Steinchen reingeworfen. Die konzentrischen Wellen nutze ich für ein Bild, an dem ich gerade arbeite, wo der Ursprung nicht mehr zu erkennen sein wird. "Mama, was macht der Mann da?" – Kopfschüttelnd: "Der fotografiert die Pfütze!".

Oder … Für eine Märchenfotomontage (die ich leider noch nicht fertig habe) brauchte ich mal eine Reihe Fotos von Tauben. Damit die Tauben in richtiger Perspektive und mit dem Licht der tiefen Sonne von hinten beleuchtet auf den Chip kommen, bin ich quasi im Entengang auf dem Marktplatz um ein paar Tauben gewatschelt. Ich musste die dann auch öfter in die andere Richtung laufen lassen, so dass ich quasi im Kreis in den merkwürdigsten Positionen um die Tierchen gestelzt bin. Ringsherum auf dem Markt sind Cafes und die Gesichter, der Gäste werd ich bis heute nicht vergessen. :D

Die Frage ist nun: Ist es wichtig, was die Leute denken? Ich denke nicht! Und komischerweise hab ich schon öfter derartige Bedenken in Foren gelesen. Wenn ihr auch solche Bedenken habt, fragt euch einfach: Was ist euch wichtiger, das fertige Bild, das EUCH gefällt, oder die Meinung einiger Laien, die ihr nicht mal kennt?

;)

In diesem Sinne,

LG

Olaf (10dency)

olaf-giermann.de

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8 Kommentare zu “Schämst du dich vorm fremden Mann?”

  1. Florian sagt:

    Oh ja, das kenne ich. Alleine schon wenn man einen Mülleimer in einer gut belebten Strasse für ein Composing fotografiert … die Leute müssen denken, dass man irgendeinen merkwürdigen Fetisch hat. :D

  2. Hm, nö, das ist mir eigentlich Schnurz. Ich will das Bild. :-)

  3. Calvin Hollywood Calvin sagt:

    Amüsanter Beitrag zur späten Stunde lässt mich super schlafen:-)
    Vor allem weil ich dich kenne und mir das gerade vorstelle.
    Ich bin da leider noch nicht abgebrüht genug.
    Aber grad neulich erst wäre ich fast vom Auto überfahren worden weil mitten auf der Straße so ne coole Bodentextur war:-)
    In diesem Sinne….. weitermachen

    lg Calvin

  4. ungemeinfein sagt:

    Im Grunde sollte es einen ja einen Sch… interessieren, was die Leute denken. Aber ich merke selbst immer wieder, dass es doch eine gewisse Überwindung kostet, sich trotzdem voll auf das Bild zu konzentrieren. Mir fällt es auch nicht immer leicht, in der Bahn oder sonstwo das Skizzenbuch auszupacken und eine Szene festzuhalten, wenn einem ständig irgendwelche Leute penetrant über die Schulter glotzen. Aber ich denke das ist größtenteils eine Sache der Gewöhnung. Und hey … wenn man sich so manche Leute auf der Straße ansieht, da gehört ein Olaf im Entengang doch noch zu den “Normalos” :D

  5. Nico Gubler sagt:

    Hoi Olaf
    Auch ich kenne dass. Mir ist es ebenfalls egal. Ich geniess es wenn das innere Kind sich voll und ganz austoben kann. Das Gefühl das dabei entsteht ist mehr als Goldwert. UND es ist dir auch egal ob nun die Hosen oder sonst was dreckig wird. Einfach herrlich so präsent im Moment sich rund um ein Objekt oder eine Situation herumzutanzen und alles von unterschiedlichen Perspektiven zu Betrachten. Guter Tipp auch für private Konflikte,bytheway ;) .
    Olaf, keep on shooting like this ;)

  6. CiaoAmore sagt:

    Am Sonntag habe ich eine leere Parkbank fotografiert und mit Herbstblättern um mich geworfen. Hat schon einiges Schmunzeln bei den Passanten verursacht. Und soll ich was sagen? … ich fand’s geil!!! Ich dachte mir, wenn die die fertigen Bilder sehen wissen sie auch warum das alles.

    Noch etwas nebenbei: Goil, dass der Blog lebt. Danke Olaf und mach weiter solange es geht und Spass macht.

  7. ben sagt:

    haha das kenn ich auch gerade wenn wir nachts mal texturen auf stativ knipsen mit langer belichtung und stativ und dann einfach ne wand fotografiern..wie die leute gucken:P aber wayne intressierts.. ich habe meine texturen und finds imemr wieder geil wie sich das dann alles zusammenfügt…

    gruß ben

  8. Dominic sagt:

    Hahaha zu geil. Das kenn ich auch. Das fängt ja schon beim anschauen des Objekts der Begierde an. Da “stelzt” man drumrum umd die richtige Perspektive zu finden, kniet am Boden, liegt am Boden, KLACK…bisschen weiter links/rechts…KLACK….ne auch ncoh nicht, nochmal drumrumstelzen….KLACK…..Ist immer wieder lustig wenn man dann ausm Augenwinkel die Leute beobachtet.
    Aber ab und an kostet es dann doch wieder Überwindung. ist wohl auch ne Frage des Gemütszustandes und wie wichtig einem ein Bild ist.

    Viel geiler finde ich ja, das gerade eine DSLR immer noch etwas besonderes ist. So ists mir mal im Urlaub in ner Kirche ergangen. 50/1,8er drauf (weiß Gott kein Protzteil) und dann war da vorm Altar ne Reisegruppe älterer Leute. Ich Stativ aufgestellt, Rucksack hingestellt, Fernauslöser parat und mich auf die Bank gesetzt um zu warten bis die fertig sind.
    Der erste drehte sich um, sah mich und schon gings Schulterklopfen & tuscheln los. Wie Moses als Er das Wasser geteilt hat (war doch Moses, odda???) sind die dann auf die Seite und ich konnte fotografieren. Und die haben ganz brav gewartet bis ich fertig war. Nix mit durchs Bild laufen und so….Hab mich dann natürlich auch bedankt.

    LG Dominic

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