Hi Leute,
da mein Rechner gerade mit dem Rendern einer 3D-Szene beschäftigt ist, was mir Photoshop dummerweise leider zu sehr ausbremst, schreib ich doch mal wieder ein paar Gedanken hier im Blog nieder.
Die Frage steht ja schon in der Überschrift oben. Aber eigentlich sind das viele Fragen:
Unser Forenmotto heißt ja "Wer die pure Fotografie sucht, ist hier falsch!". Was ist denn pure Fotografie? Was ist überhaupt ein Foto? Was ist NOCH ein Foto? Wo hört ein Bild auf, ein Foto zu sein? Und was führt dazu, dass ein Bild kein Foto mehr ist?
Die gundsätzliche Definition und woher der Begrif "Photographie" kommt, lest einfach mal bei Wikipedia nach. Auf eins können wir uns ganz sicher einigen: Jede fiktive Szene ist definitiv kein Foto! 3D-Szenen, gemalte Szenen, Fotomontagen … Kein Foto!
Ist es die Manipulation am Bild, die etwas kein Foto mehr sein lässt? Mmmmhhh … Aber wo fängt Manipulation an und wo hört sie auf?
Ich manipuliere doch schon durch das Framing (Welchen Ausschnitt will ich zeigen?), durch die Blendenwahl (welchen Bildteil will ich scharf zeigen?), durch die Belichtung (In welchen Tonwertbereich will ich Zeichnung haben?) … Alles, was man an der Kamera einstellt, ist bereits eine Verfremdung des "Realen". Ich will mal nicht zu weit ausholen: Aber was bedeutet denn "real" -also mal realistisch gesehen? 
Und in der Dunkelkammer geht es weiter … Abwedeln und Nachbelichten ist bereits massives Verändern der tatsächlichen Lichtsituation vor Ort! Darf man sowas noch Foto nennen? Crossentwicklung … Falsche Farben! Foto? Unscharf-Maskierung! Foto? Darf man denn überhaupt mit Zusatzequipment (Blitze, Reflektoren usw.) die Lichtsituation schon vor Ort ändern? Oder ist nur Available Light-Fotografie noch ein Foto? Liefert nur die Fotografie mit Iso 100 ein echtes Foto? Mit Iso 3200 wird es ja gern viel heller als man es mit bloßem Auge gesehen hat!
Wer setzt den Standard? Wer entscheidet, was richtig ist und was falsch?
Die Kamera?
Du?
Alle anderen?
Von mir heute mal keine Antworten, sondern nur was zum Anstupsen.
LG Olaf (10dency)
olaf-giermann.de

Cooler Text für all diejenigen, welche sich als Meister der reinen Fotografie brüsten und jegliche Bearbeitung ablehnen.
Also, wenn man es auf die Spitze treiben will, dann gibt und gab es nie Fotos, jedenfalls wenn man Fotos unter der Prämisse betrachtet, dass sie die Realität wiedergeben. Denn allein durch die Art der Belichtung nehme ich doch schon Einfluss auf die Lichtverhältnisse vor Ort und bestimme, was ich zeigen will.
So true… die neverending Diskussion.
Wenn mir jemand sagt, er vertraut seiner Kamera und ändert höchstens die Farben, damit es so aussieht wie “in echt”, dann denk ich mir: wtf? Mal abgesehen, dass man einfach Potenzial verschenkt, was heißt denn “in echt”? Das Licht ändert sich jeden Moment, und wer mag behaupten, sich an den exakten Blauton des Himmels zum Zeitpunkt der Aufnahme zu erinnern?
Wichtig ist doch nicht, dass das Foto “echt” ist. Sondern dass es berührt, bewegt, oder einfach schön ist.
“Wer setzt den Standard? Wer entscheidet, was richtig ist und was falsch?”
Ganz eindeutig ICH.MIR muss mein Bild gefallen und das versuche ich umzusetzen,egal womit.
Ich frage mich auch immer, woher dieser – manchmal auch sehr übertriebene – Realitätsanspruch bei manchen Fotografen und Fotobetrachtern kommt. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre die Fotografie noch nicht so “erwachsen” wie andere Künste. In der Malerei war es ja anfangs auch verpönt, Dinge _nicht_ so zu malen, wie sie tatsächlich sind. Verfremdete oder gar abstrakte Malerei durfte nicht einmal Malerei genannt werden – wenn nicht Schlimmeres mit den Malern passierte. Vielleicht ist die Fotografie gerade auf dieser Ebene. Aber Spaß beiseite: die durch die Möglichkeit der digitalen Bildbearbeitung losgetretene Diskussion darüber, was man mit einem Foto machen “darf”, bevor es in Richtung Manipulation geschoben wird, treibt doch manchmal sehr seltsame Blüten. Vielen Menschen ist es einfach auch nicht bewusst, wieviel beim Entwickeln eines “normalen”, nicht-digitalen Fotos so alles gemacht wurde und gemacht wird. Abwedeln, Nachbelichten – das wurde hier ja schon genannt. Das ist aber noch lange nicht alles, was gemacht wurde und nicht viel weniger, als mit den digitalen Techniken auch gemacht wird.
Für mich ist die Diskussion, was denn nun ein Foto sei und was nicht, etwas müßig. Es sollte vielleicht mehr darum gehen, ob der Künstler mit dem Werk das erreicht hat, was er wollte. Hat er die Stimmung, die er im Kopf hatte, mit der Technik, die er gewählt hat, gut umgesetzt? Und nicht zuletzt sollte es eben darauf ankommen, ob einem das Werk gefällt oder nicht. Gefällt es nicht, berechtigt das noch lange nicht dazu, zu sagen, das Werk sei keine Kunst oder kein Foto oder was auch immer…
Sehr schöner Artikel übrigens. Regt zum Nachdenken an.
Mal wieder ein herrlicher Beitrag.
Sogesehen gibts ja dann keine Fotografie wenn man es auf die Wiedergabe der Realität bezieht. Den ALLEIN schon der beschränkte Dynamikumfang verfälscht die Realität
Ich finde schon das es einen Unterschied macht ob ich etwas verfremde (schärfe, unschärfe, aufhell, abdunkel) was auf dem Foto vorhanden ist oder ob ich etwas dem Bild hinzufüge was vorher nicht da war. Das ist für mich ganz persönlich der Unterschied zwischen Fotografie und Bildbearbeitung. Richtig oder falsch gibt es da aber nicht. Soll doch jeder machen was ihm gefällt. Auf der Welt ist genug Platz für beide Meinungen….
Mich nerven nur die Plastikhaut-Bearbeitungen wie sie z.B. im Playboy erscheinen. Das hat für mich mit Fotografie nicht mehr viel zu tun….
lg
pero
Darüber wurde auch im Forum schon ansatzweise gesprochen.
http://www.photoshopnonstop.de/showthread.php?t=9804
Leider hat der Thread bis jetzt nicht so viele Anhänger gefunden
Aber ich finde eben, dass das Manipulieren der Realität schon oftmals
am Sed beginnt. Wenn man z.B. eine Octabox, eine Blitz, oder andere
Mittel einsetzt, dann “verfälscht” man schon die real vorhandenen Lichtverhältnisse.
Man verfremdet also schon vor dem Auslösen die tatsächliche Szenerie.
Da die Fotografie aber das “Malen” mit Licht definiert, spricht man hier wohl scheinbar noch
nicht von Manipulation. Aber Farbe benötigt bekanntlich auch Licht, um wahrgenommen
zu werden. Das würde also bedeuten, dass ich ein Bild nicht manipuliere, wenn ich
in Photoshop mit Farben male, da ich ja quasi auch mit Licht auf ein Foto male oder?
Fotografie ist auch ein bildgebendes Verfahren und erzeugt aus Messgrößen eines
realen Objektes ein Abbild. Ein Abbild kann sowohl der Realität, als auch eine
künstlerische Darstellung der Realität entsprechen.
Somit schließt sich wohl der Kreis und man könnte sagen, dass alles was ein Foto
als Grundlage besitzt zur Fotografie gehört. Dabei ist es unerheblich, in wie
weit man das Foto verfälscht/manipuliert hat. Es ist und bleibt ein Foto, ein
mit Licht gemaltes Abbild einer Szene mit mehr oder weniger manipulierten Inhalten.
Die pure Fotografie bedeutet also soviel wie “Das unverfälschte Malen mit Licht”.
Demnach müsste man eine Kamera besitzen, deren Chip in der Lage ist die Realität
zu 100% wieder zu geben, ohne manuell Belichtung, Farbeinstellung, Blitz oder anderes
einzustellen. Es gibt von daher wohl niemanden, dessen Fotografie als “pur” bezeichnet
werden kann, denn das was aus unseren DSLRs heraus kommt wird spätestens immer schon vom Chip
manipuliert durch die Einstellungen, die wir vorher tätigen
Kurz gesagt:
Fotografie = Realitätsnahes oder künstlerisches Abbild
pure Fotografie: unverfälschtes Realitätsabbild (Meiner Meinung nach noch nicht möglich)
Freue mich sehr über eure Teilnahme hier!
Coole Beiträge von euch!
@lennyG: Ein zweidimensionales Foto kann ja sowieso nie das sein, was “pure Fotografie” im Sinne von einem unverfälschten Realitätsabbild genannt wird. Nun kann sich daraus natürlich die Haltung ergeben, dass wenigstens dieses zweidimensionale Abbild der Realität so nahe kommt, wie dies technisch möglich ist. Dann frage ich mich allerdings, ob nicht eine Lochkamera, die bis auf die Tatsache, dass sie die Wiedergabe auf einen bestimmten Ausschnitt reduziert, nichts mit dem durch sie hindurch strömenden Licht anstellt, für den Anspruch einer puren Fotografie besser geeignet ist als eine moderne Kamera. Hier gibt es keinen Sensor, der interpretiert, keine Blende, keine ISO-Zahl (usw.), die das Foto “verfälschen”. Und dann sind wir bei deinem Vorschlag: ein technisch ausgefeilter Chip mit einer grandiosen Linse in dieser Lochkamera. Ich frage mich dann aber, wen solche perfekt die gegebene Situation wiedergebende pure Fotos überhaupt interessieren? Der fotografische Blick beschränkt sich dann ja letztlich nur auf die Wahl des Ausschnitts (nicht mehr zusätzlich auf die Wahl des Zeitpunkts, der Blende, usw.). Ich finde das ein wenig langweilig. Aber für Berichterstattung bestens geeignet.
Ich zitiere dich noch kurz: “man könnte sagen, dass alles was ein Foto als Grundlage besitzt zur Fotografie gehört” – das unterschreibe ich!
Schönes Thema…
Dazu kommen noch viele andere Möglichkeiten, wie auch ein analoges Foto lügen kann, z.b.:
* Mitziehen bei einer Schnecke->das Viech wirkt auf dem Bild plötzlich schnell
* Verwackelte Bilder – ist das noch Realität?
*Lustige Objektive – ist ein Fisheye-Foto real? Eins mit einem Supertele, wo es kaum noch perspektivische Größenunterschiede gibt?