Bildstile, Bildwirkung und Gefühl

Sehr komischer Post-Titel ich weiß, aber ich denke im Laufe dieses Posts erschließt sich, was gemeint ist ;) .

Oft wird im Forum gefragt, wie man einen gewissen Bildstil erzielen kann (evtl. auch nachmachen kann), es wird jedoch meist nicht beachtet, das bei vielen Fotos viel (achtung Post-Titel) Gefühl mit drin steckt und das Foto schon allein dadurch wirkt.
Sicherlich kann man mit diversen Filtern, PlugIns und Bearbeitungstechniken einen ähnlichen, wenn nicht sogar den selben Effekt erzielen. Wichtig ist aber, dass das Ausgangsmaterial stimmt.

Was häufig versucht wird ist "Schnappschüsse" mit diversen Bearbeitungstechniken einen "Kick" zu verleihen, leider gelingt das in den seltensten Fällen.

Nehmen wir mal ein Beispiel: Calvins Fotos.
Wenn Calvin nicht genau auf sein Ausgangsmaterial achtet und schon vorher genaue Überlegungen anstellt, wie das Foto hinterher wirken und aussehen soll, dann würde er vermutlich ewig brauchen um seinen Bildstil in das Bild zu bekommen.
Soll heißen, wenn ich ihm jetzt z.B. als Ausgangsmaterial ein Foto von einem meiner letzten Shootings geben würde, würde er sicherlich dicht rankommen, aber den illustrativen und teilweise martialischen Look würde er nicht reinbekommen.

Auch hierzu kann ich mal ein Beispiel zeigen:

Links eine Aufnahme inkl. Bearbeitung von einem meiner letzten Shootings & rechts eine Bearbeitung von Calvin und einem von ihm ausgeleuchteten und bearbeiteten Foto.

Ich denke man sieht sehr deutlich, dass bei mir die Ausleuchtung viel flacher ist und kein Blitz eingesetzt wurde.
Bei Calvin hingegegen sieht man den Einsatz und die Position des Blitzes und die Tiefe, die durch Ausleuchtung und Bearbeitung entstanden ist.

Man könnte jetzt anfangen und Calvins Bearbeitungsschritte auf meine PSD zu übertragen, das würde jedoch nichts bringen, weil die Grundvoraussetzungen bei den Aufnahmen verschieden sind und auch unterschiedliche Ziele mit den Aufnahmen verfolgt wurden.

Oft wird auch versucht einen "analogen Style" nachzuahmen.
Jetzt stellt sich mir die Frage: Was ist ein analoger Style?

Eigentlich gibt es diesen Style nicht richtig, denn wodurch meiner Meinung nach analoge Aufnahmen "glänzen" ist, dass die Fotografen sich vorher viel viel mehr Gedanken gemacht haben (sicherlich gibt es auch Naturtalente, mit dem gewissen "Auge"), wie ihr Bild aufgebaut werden soll und was sie erreichen wollen.
Diese Arbeit sieht man in den Aufnahmen. Ein Digitalfotografe hingegen muss ich keine Gedanken vor der Aufnahme machen, er sollte es tun, muss aber nicht. Und genau das sieht man leider auch oft in Aufnahmen, die dann sehr flach aussehen und lieblos.
Da kann man auch mit einem "analog Style" oder "Filmflair" nichts mehr rausholen.

Mein Fazit ist also: VORHER Gedanken machen und dann sieht man es auch in der Aufnahme! ;)

Mich würde eure Meinung dazu interessieren, wie geht ihr an Fotos heran und versucht ihr auch aus evtl. "Trash-Bildern" noch etwas rauszuholen mit Photoshop oder werft ihr sie in die virtuelle Mülltonne?

Wertung: 5 stars



12 Kommentare zu “Bildstile, Bildwirkung und Gefühl”

  1. ungemeinfein sagt:

    So isses! Es macht einfach keinen Sinn, einen bestimmten Bildstil auf ein x-beliebiges Bild zu übertragen. Im Idealfall hat man das finale Bild schon vor dem Fotografieren vor Augen und kann dementsprechend alles vorbereiten. Das ist natürlich ein Stück weit Übungssache, aber wenn man ein paar mal erfolglos versucht hat, zB einen Dave-Hill-Look auf Omas Urlaubsbilder zu übertragen, dann hat man seine Lektion gelernt und achtet in Zulunft auf entsprechendes Ausgangsmaterial :P

  2. Calvin Hollywood Calvin sagt:

    Wow, starker Post Tino!!!!!
    Du sprichst mir von der Seele.

    Achja… cooles Bildchen. Wusste gar nicht daß du sowas kannst*duckundweg*

    lg calvin

  3. Tino Wehe Tino Wehe sagt:

    Wie ich schon im Forum sagte: Sie sind raus Hoecker :P ;)

    Du warst wohl noch NIE auf meiner Website :P

  4. manne sagt:

    wow. super artikel.
    und gute website!

  5. Jonas sagt:

    Jo, sehr passender Post. Steckt voller Wahrheiten ;)
    Ich versuche auch das Foto schon zu gestalten, bevor es geschossen wurde.
    Das gibt einfach die besseren Ergebnisse.
    Aber zugegeben, habe auch schon das ein oder andere mal versucht einfach mal was mit Photoshop rauszuholen. Klappt zwar manchmal, ist aber irgendwie auch nicht 100%-ig befriedigend.

    In diesem Sinne,
    Grüße :)

  6. ben sagt:

    das neue layout gefällt!

    finde es super wichtig sich das bild vorher zu überlegen.mache auch immer skizzen von posen und lichtsetup
    dann steht man erstens beim shooting nicht völlig verplant da und 2tens kann man sich so viel mehr zeit für kleinigkeiten nehmen…doch entstehen die besten posen im meistens im “freestyle”:P
    gruß ben

  7. Die Entstehung eines Bildes teile ich in 3 Bereiche auf.

    1. Ideenfindung
    Hier lasse ich mich gerne mal von anderen Fotografen inspirieren. Analysiere die Vorlagen und achte darauf welches Licht wurde verwendet, welche Pose hat das Model eingenommen und wie ist die Kameraposition. Outfit und Requisiten sind natürlich auch nicht ausser Acht zu lassen.

    2. das Shooting
    Ich baue eine vorher festgelegte Lichtsituation auf. Setze das Modell entsprechend in Szene. Gedanken zu Pose und Kameraposition stammen aus der Ideenfindung.

    3. Bildbearbeitung
    Im Großen weiss ich ja durch meine Bildideen wohin ich in der Bildbearbeitung möchte und versuche das entsprechend umzusetzten.

    Neben den fertigen Bildideen muss bei einem Shooting natürlich auch immer noch genug Zeit bleiben zum Testen und Ausprobieren.

    Die Bildideen anderer Fotografen werden von mir auch nicht 1zu1 kopiert, sondern erhalten schon noch eine persönliche Note.

    Und ein individueller Bildstil wird sich früher oder später von selbst ergeben, da man bestimmte Schritte oder Einstellungen, wie z.B. die Kameraposition immer wieder wiederholt.

    LG Marco

  8. Christian sagt:

    Ich glaube, wenn man mal etwas Erfahrung in der Fotografie gesammelt hat, wird man relativ schnell die Sinnlosigkeit erkennen, ein mißglücktes Bild durch Photoshop-Filter aufpeppen zu wollen. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass etwas nicht gelungen ist und weitermachen.

  9. Tino Wehe Tino Wehe sagt:

    Stimmt!
    Ich glaube oft ist auch das Problem, dass man nicht löschen kann, ging mir auch eine Weile so, dass ich jedes noch so schlechte Bild aufgehoben habe … mittlerweile fliegen die schon direkt auf der Kamera in den Trash :)

  10. Daniel sagt:

    … es heißt auch nicht umsonst ein gutes Bild entsteht zu erst im Kopf … das ist wohl die beste Ausgangssituation um an sein gewünschtes Bild zu kommen…
    die Umsetzung seiner “Vorstellung” zum gewünschten Ergebnis ist nicht immer ohne. Aber Übung macht den Meister ;)

    Noch eine kleine Anmerkung. Die erste Anmerkung meines damaligen Fotografie Lehrers war “Der beste Freund des Fotografen ist der Papierkorb” … mit der Zeit erkennt man das das stimmt.

    Und Photoshop kann nun auch nicht alles “beheben”. Müll bleibt Müll.

  11. iVo sagt:

    einen gewissen Stil in das Bild zu bekommen über nachträgliche Bearbeitung ist doch nix schlimmes, find ich.
    Wenn man zB das Bild alt aussehen lassen möchte, dann geht das ja eher schlecht beim fotografieren ( ausser vll über Klamotten oder Möbel usw).
    Sondern dann hinterher über Farbverdrehungen oder ähnliches.
    Und selbst beim Kopieren von "großen" Künstlern kann man lernen und oder seinen eigenen Stil finden.

  12. saschko Bach sagt:

    Hallo Tino, ganz starker Beitrag und Du triffst mit Deinen Worten den Nagel auf den Kopf.
    Ich sehe bei der digitalen Fotografie das Problem, dass viele einfach drauf los "Knipsen". Im Kopf ist dann nicht das Bild sondern  "PS wird´s schon richten".
    Wenn man man erst einmal mit einer Analogen anfangen würde und einer Festbrennweite (um sich auch mal um das Motiv zu bewegen und verschiedene Perspektiven und Brennweiten auszuprobieren) wäre es schon ein guter Ausgangspunkt. Zudem kostet jeder verbratene Film Geld, daher wird wohl auch vorher der Kopf eingeschaltet, um zu überlegen was man überhaupt erreichen will mit dem Bild(Ausage, Wirkung, usw.) Zudem kann man einfach mal z:B. einen Apfel irgenwo hin legen und ihn sich 15 Min. anschauen. Wie der Schatten ist, wie das Licht auf ihn fällt usw.. Dann überlgen wie man ihn in Szene setzen kann, und was dies Aussagen soll. oder eine Person einfach mal an ein Fenster stellen, und sehen wie hier das normale Licht von draußen auf die person fällt, wie die Schatten wirken, was passiert wenn sich die Person ein wenig dreht usw.. Dann kann man auch irgendwann mal mit einem Blitz anfangen. Ich finde das Pferd wird oft von hinten aufgezäumt.(leider)
    Einige sehen die Bilder von Leuten die schon lange mit der Fotografie arbeiten, es ist ok wenn man sich Vorbilder sucht, aber trotzdem sollte man klein Anfangen und nicht meinen das man nur durch PS es erreicht das ein Bild eine "Seele" hat.
     
    lg
     
    saschko

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